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      1. ?Eines Tages war er pl?tzlich wieder da“

        ?Eines Tages war er pl?tzlich wieder da“

        Der legend?re Zeitschriftenmacher Kurt Safranski traf 1953 überraschend Axel Springer. Der inzwischen 62-J?hrige war aus dem Exil in New York auf Wunsch der Ullsteins zurückgekehrt, um eine neue Illustrierte zu entwickeln. über seinen Besuch in Deutschland führte Safranski Tagebuch. Die interessante Lektüre wurde dem Archiv von seinen Enkelinnen übereignet. Sie wirft auch ein neues Licht auf das Verh?ltnis der Traditionshauses Ullstein zum aufstrebenden Verleger Springer.

        Charmant war nicht gerade, was Kurt Safranski am 20. Februar 1953 über seine erste Begegnung mit Axel Springer notierte. ?Springer fettlicher junger Mann, slightly conseitiv (leicht eingebildet), wach, listens intently (h?rt aufmerksam zu), ready to snap up what ever useful (bereit aufzuschnappen, was ihm nützlich ist)“, ist in einem deutsch-englischen Kauderwelsch im Tagebuch zu lesen. Die Passage endet mit dem wenig schmeichelhaften ?Freundlich – uninformativ“. Nun war Axel Springer in jenen Jahren tats?chlich, nun ja, ein wenig fülliger, aber dass ausgerechnet Safranski, der den Spitznamen ?Dicker“ trug, auf die Figur Springers zielen würde, wirkte dann doch unfreiwillig komisch.

        Offenbar, das l?sst sich aus diesen Zeilen schlie?en, hatte der Gast ernüchtert das Treffen in Springers Hamburger Villa verlassen. Doch dieser leicht distanzierte, ironisch gef?rbte Blick auf seine Begegnung zieht sich durch das gesamte, in schlichtem Schwarz gehaltene Notizheft – ein handelsüblicher Kalender in Kleinformat. Wom?glich entsprach er also dem Temperament des 62-j?hrigen Safranski, der hier auf den damals 40-j?hrigen Verleger Axel Springer traf. Ganz sicher waren es die Zeilen eines einst einflussreichen Journalisten aus der Zeit vor 1933, der nach Jahren im Exil mit einem besonderen Auftrag wieder deutschen Boden betreten hatte. Safranski sollte für den neu belebten Ullstein Verlag eine Sonntags-Illustrierte auf den Markt bringen.

        Der am 17. Oktober 1890 in Berlin geborene Kurt Szanfranski (erst im Exil ?nderte er den Namen in Safranski) begann seine Karriere als Zeichner und Maler. Als gleichaltriger Freund von Kurt Tucholsky illustrierte er 1912 dessen Erstlingsroman ?Rheinsberg“. über diese Arbeit bekam er Kontakt zum Ullstein Verlag und stieg dort vom künstlerischen Beirat 1913 zum Leiter des Zeitschriftenverlages auf. Safranski erhielt Prokura und wurde 1930 Mitglied des Vorstandes – und eine Vertrauensperson für die fünf Ullstein-Brüder, die das Unternehmen zum gr??ten Verlag Europas machten.

        Als künstlerischer Kopf setzte Safranski bei Ullstein Ma?st?be im Bereich der illustrierten Zeitschrift, zu der die ?Berliner Illustrirte Zeitung“ (in Hochzeiten fast zwei Millionen Auflage) geh?rte. Mit ihr entwickelte er den Fotojournalismus zum eigenst?ndigen Genre. Da Safranski jüdischer Abstammung war, musste er nach 1933 auf Druck der NS-Machthaber den Verlag verlassen. Sp?ter folgten nahezu alle Angeh?rige der Ullstein-Familie, ihr Verlag wurde ihnen vom NS-Regime abgepresst.

        Safranski startet neue Karriere in den USA

        Safranski emigrierte über Gro?britannien in die USA, arbeitete dort an neuartigen Magazinen (bis zum Dummy) und gründete mit den ebenfalls aus Deutschland geflohenen Verleger Kurt Kornfeld und Foto-Experten Ernest Mayer in New York die Bildagentur Black Star, die zum Anlaufpunkt für US-Fotografen wie emigrierte europ?ische Kollegen und schlie?lich zum wichtigsten ?Fotobeschaffer“ für Magazine wie ?Life“ und ?Time“ wurde. Die Verbindung zu den Ullsteins riss auch im Exil nicht ab. Hermann Ullstein, der jüngsten der fünf Brüder, der 1943 in New York starb, wurde unterstützt.

        New York, Manhattan, Central West Park, Frühling 2019, zu Gast bei Stacey und Devon Fredericks – den Enkelinnen von Kurt Safranski. Vor ihnen auf dem Tisch liegt das schwarze Notizheft mit den Tagebucheintragungen ihres Gro?vaters, daneben ein aufwendig und liebevoll gestaltetes Fotobuch mit Portr?ts seiner Ullstein-Kollegen: ihr Abschiedsgeschenk an Safranski vor seinem Weg ins Exil. Es ist für heutige Nutzer eine seltene Chance, den Namen früherer Ullstein-Mitarbeiter ein Gesicht zu geben. Stacey und Devon Fredericks, die die Erinnerung an ihren Gro?vater wachhalten wollen, aber kein Deutsch k?nnen, haben sich entschieden, die Unterlagen dem Unternehmensarchiv der Axel Springer SE zu übereignen. ?Das ist für uns der geeignete Ort für das Material“, betont Stacey Fredericks. Vermittelt hat den Kontakt Phoebe Kornfeld, Enkelin von Kurt Kornfeld, die mit viel Akribie und Spürsinn an einer Biografie ihres Gro?vaters schreibt, in der auch die beiden Partner Safranski und Meyer eine zentrale Rolle spielen, und die für Recherchen auch in Berlin im Archiv weilte. Die Fredericks überreichen neben weiteren Briefen, Fotos und einem Zeugnis Safranskis auch einen kompletten Aktenbestand zu dem heute unbekannten Projekt ?World Opinion“ aus dem Jahr 1947. Dahinter verbarg sich der Versuch eines britischen Digests, der übersetzt in deutscher Sprache auch in der britischen Besatzungszone erscheinen sollte. Offenbar ein Schritt vor allem der dritten Generation unmittelbar nach Kriegsende wieder ins Mediengesch?ft – mit Hilfe Safranskis.

        Safranski-Enkelinen neu
        Die Safranski-Enkelinnen Stacey (l.) und Devon Fredericks (r.) in New York, in der Mitte: Phoebe Kornfeld stellte den Kontakt her. Sie schreibt ein Buch über ihren Gro?vater, Mitbegründer der Fotoagentur Black Star

        Doch zurück zu Safranski, Springer und der ?Sonntags-Illustrierten“. Die Ullsteins erhielten zu Beginn der 1950er-Jahre nach einem Rechtstreit Teile ihres alten Verlages zurück und die Lizenz zur Herausgabe der Tageszeitungen ?B.Z.“ und ?Berliner Morgenpost“. Damit lie?en sich neue Projekte planen. Rudolf Ullstein, letzter der legend?ren fünf Brüder, sowie sein Neffe Karl wollten nach amerikanischem Vorteil nun eine farbige Wochenendbeilage herausbringen, die auch anderen regionalen Verlagen angeboten werden sollte. Wer h?tte Konzeption und Produktion besser bewerkstelligen k?nnen als Kurt Safranski, der alte Fahrensmann und Zeitschriftenexperte? Die Ullsteins luden ihn daher ein, Anfang 1953 nach Deutschland zu kommen, um den aktuellen Zeitschriftenmarkt zu studieren und zugleich die jungen Redaktionen bei Ullstein zu schulen.

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        Tagebucheintrag nach der Besichtigung der alten Kochstra?e in Berlin
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        Kurt Safranski wirbt für Kooperation mit Axel Springer

        Safranski folgte dem Ruf – sehr zur Freude der Ullstein-Mitarbeiter, die seine Ankunft in der ?Ullstein-Hauszeitung“ feierten. ?Eines Tages war er pl?tzlich wieder da. Er wollte es selbst nicht glauben. Wie ein Lauffeuer ging es durchs Haus, und alle kamen, um ihn freudig zu begrü?en.“ Blühende Alpenveilchen habe es von Seniorchef Rudolf Ullstein gegeben, Konfekt und Zigarren von einer ?Ullsteinerin“. Und der Pf?rtner habe nach dem ?Dicken“ gefragt. Safranski war also noch immer popul?r. Auch für seine Leibesfülle, was Safranskis sarkastische Beschreibung über den tats?chlich in jener Zeit etwas fülligeren Axel Springer noch mehr verwundern l?sst.

        Die Ullsteins sondieren Kooperation wegen WELT

        Sein Besuch bei dem Hamburger Verleger hatte übrigens weniger mit der geplanten Illustrierten zu tun als mit der zum Verkauf stehenden Tageszeitung DIE WELT. Als Blatt der britischen Besatzungsmacht 1946 gegründet, wurde 1953 ein neuer Eigentümer gesucht. Ullstein, weit entfernt von alter, auch finanzieller St?rke, geh?rte wie der erfolgreiche und solvente Axel Springer zu den Bietern. Wie das Tagebuch von Safranski nahelegt, sollte er eruieren, ob man mit Axel Springer kooperieren kann.

        So hei?t es:

        ?14. April 1953: 4 ° Special Meeting! Sans Souci. Soll man Springer hereinziehen? Finally … yes.“

        ?16. April 1953: 3° zu Axel Springer. Anerkennt freundliche Geste. Entwickle Programm. Er sichtlich beeindruckt (…) Fortsetzung des Gespr?chs (…) Freundschaftlicher Abschied. (…) Abends Ratskeller ?Helgoland“. Hummer! Telefoniere Karl wegen WELT, der sehr interessiert seinerseits Springer anruft.“

        Dieser wichtige Hinweis führte zu einer erneuten Recherche im Unternehmensarchiv. Bislang galt als sicher, dass der Kontakt zu den Ullsteins ab 1954 enger wurde, nachdem Axel Springer in Berlin ein Büro er?ffnet hatte, um eine BILD-Ausgabe für die Hauptstadt herauszubringen. Nun k?nnen wir dieses ernsthafte ?Beschnuppern“ – dank Safranskis Tagebuch – ein Jahr früher ansetzen. Damit k?nnen Unterlagen im Archiv wie ein Brief von Karl Ullstein am 16. Februar 1953 an Axel Springer neu bewertet werden. Zun?chst bedankte sich der Ullstein-Vorstand in dem Schreiben für einen Besuch Springers, den er ?als Beginn eines freundschaftlichen Meinungsaustausches wohl zu werten wei?“. Anschlie?end warb er für Safranski, der das Schreiben überbracht hatte. Dieser sei in den zw?lf Jahren, die er in den USA verbracht habe, so Karl Ullstein, ?einer meiner engsten Freunde geworden“.

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        Wieder in Berlin: Kurt Safranski mit Malte-Till Kogge, Chef vom Dienst der ?B.Z.“ und ?B.Z.“-Chefredakteur Wilhelm Schulze (v.l.) im n?chtlichen Setzersaal

        Karl Ullstein umschrieb Safranskis Deutschland-Besuch als Schulungsreise für die jungen Ullstein-Mitarbeiter, die Safranski zugleich nutzen wolle, um den deutschen Zeitschriftenmarkt zu analysieren. Dabei wolle er ?die Exponenten der deutschen Publizistik“ kennenlernen, und da habe es nahegelegen, so schmeichelte Ullstein, Safranski zu raten, auch Axel Springer in Hamburg aufzusuchen. ?Ich hoffe, dass Sie Herrn Safranski Gelegenheit geben werden, Sie zu sprechen, und dass eine solche Unterredung für beide Teile anregend sein wird.“

        Springer reagierte sofort und lie? Safranski im Hotel ?Vier Jahreszeiten“ mit den Erzeugnissen seines Hauses versorgen: Jeden Morgen sollte die BILD unter der Zimmertür geschoben, am Nachmittag das ?Hamburger Abendblatt“ gebracht werden. Weiter wies Axel Springer an, dem Gast einen Stadtplan von Hamburg zu bringen. Der Hamburger Verleger antwortete Karl Ullstein nach Safranskis Abreise: ?Wir haben im kleinen Kreis den Besuch dieses gro?artigen Fachmanns und so sympathischen Menschen sehr genossen. Ich danke Ihnen für die Bekanntschaft.“ Schreiben vom Mai und September 1953 belegen, dass Axel Springer und Karl Ullstein in Kontakt blieben und weitere Treffen planten.

        Sonntags-Illustrierte floppt beim Leser

        Kurt Safranski, der Ende April 1953 kurzzeitig in die USA zurückkehrte, kam im September für die ?Sonntags-Illustrierte“ erneut nach Deutschland. Nun reiste er vor allem in die Provinz, um bei Regionalzeitungen Abnehmer für die geplante 20-seitige Beilage zu finden. Die erste Ausgabe kam dann am 21. M?rz 1954 auf den Markt. ?Familien-Zuwachs“, jubelte die ?Ullstein-Hauszeitung“ im M?rz 1954 unter einem Bild, auf dem der stolze Kurt Safranski die erste Ausgabe in der Hand hielt. Hinter ihm stehen die Chefredakteure Ulrike Piper und Jürgen Neven-du Mont. Das Haus wünschte dem ?jüngsten Kind unseres Verlages“ und den ?Eltern“ viel Erfolg. Doch der blieb aus.

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        Das Titelbild der ersten Ausgabe einer Sonntags-Illustrierten

        Die Bereitschaft der Leser, die Beilage zu einem h?heren Abonnementpreis zu beziehen oder gar zus?tzlich zu erwerben, war gering. Zudem schnitt die Zeitschrift im Vergleich zu anderen Illustrierten schlechter ab: Es fehlte an Aktualit?t und Pfiff, die Illustrierte kam zu beh?big daher, wie auch Karl Ullstein einr?umen musste. Und der Farbdruck war teuer. Das Projekt endete nach nur sechs Ausgaben am 25. April 1954 mit einem Verlust von 1,5 Millionen Mark, darin enthalten ist auch eine Abfindung für Kurt Safranski. Dieser kehrte zu seiner Agentur Black Star nach New York zurück, wo er am 1. M?rz 1964 starb.

        Zu den Tagebuch-Eintr?gen über seine Treffen mit Axel Springer passt nun auch ein Schreiben, notiert auf dem Briefpapier des Hamburger Hotels ?Vier Jahreszeiten“, welches sich im Springer-Nachlass befindet. Der Text an den Verleger hatte nichts mit den wenig schmeichelhaften Zeilen im Tagebuch zu tun. H?flich bedankte sich Safranski für die gastfreundliche Aufnahme und hoffte auf eine Fortsetzung des Gespr?chs – dann in New York. Kurt Safranskis Urteil, ganz ohne Ironie: ?Es war ein Vergnügen, Sie kennenzulernen und festzustellen, in wieviel Dingen wir ?hnlich zu denken scheinen.“

        Archivbestand: Fotoalbum von Ullstein-Kollegen zum Abschied für Kurt Safranski 1934, Reisetagebuch 1953, Unterlagen zum Magazin-Projekt ?World Opinion“, weitere Dokumente zum Komplex ?Sonntags-Illustrierte“ und zu Safranskis Arbeit für Ullstein

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